Donnerstag, 6. Mai 2010

Januar 1991: Golfkrieg Demo in Kastellaun

Am 12. Januar 1991 beschloss der Kongress der USA, den Irak unter Anwendung militärischer Gewalt aus Kuwait zu vertreiben. Mit 250 zu 183 Stimmen im Repräsentantenhaus und 52 zu 47 Stimmen im Senat stimmten die Volksvertreter für einen Militäreinsatz.
In Kastellaun demonstrierte die Friedensbewegung rund um die
Hunsrückkaserne der Bundeswehr gegen den geplanten Krieg.


Am frühen Morgen des 17. Januar 1991, lösten die USA einen massiven Luftkrieg aus;
dies war der Beginn der Operation Wüstensturm (Operation Desert Storm).


Die Streitkräfte flogen in den ersten 20 Stunden mit über 750 Kampfflugzeugen und
Bombern rund 1.300 Angriffe auf Ziele im Irak. Dabei setzten sie präzisionsgelenkte
Munition, Streubomben, Daisy Cutters („Gänseblümchenmäher“) und Marschflugkörper
ein.


Am Ende des Krieges lag die Elektrizitätsproduktion bei vier Prozent des Vorkriegsniveaus, Monate später erst bei 20 bis 25 Prozent.

Des Weiteren wurde die Trinkwasserversorgung weitflächig gezielt zerstört, was insbesondere die Zivilbevölkerung schwer leiden ließ.



Bomben zerstörten die Steuerungssysteme aller großen Staudämme, der meisten Pumpstationen und zahlreiche Kläranlagen. Das Abwasser floss direkt in den Tigris, von dem die Zivilbevölkerung Trinkwasser entnehmen musste, woraus die Verbreitung epidemischer Krankheiten resultierte.



US Politik (Bush Senior) belog die Weltöffentlichkeit nach Strich und Faden.
Allerdings, "schlimmer geht immer", das demonstrierte später sein Sohn,
George W. Bush.


Mittwoch, 5. Mai 2010

1893: Ostermarsch mit Alfred Mechtersheimer

Neben der Information der einheimischen Bevölkerung und vor allem der kommunalen Politiker und Entscheidungsträger, baute die Friedensinitiative hauptsächlich Ihre Kontakte zu anderen deutschen und ausländischen Gruppen immer weiter aus. Bei der Abschlußveranstaltung des Ostermarsches von Hasselbach nach Bell sprach mit Dr. Alfred Mechtersheimer erstmals ein auswärtiger Gastredner vor den 1500 Teilnehmern.
Es wurden rund 2000 Unterschriften für die Forderung zur Einrichtung einer „atomwaffenfreien Zone“ im Hunsrück gesammelt.
Zu Alfred Mechtersheimer aus Wikipedia.de, Stand 5.5.2010:

Mechtersheimer befasst sich mit Friedensforschung. Sein politisches Auftreten ist mit der Friedensbewegung der 1980er-Jahre und seiner Kritik am NATO-Nachrüstungsbeschluss verbunden. Er knüpfte zahlreiche Kontakte zu Vertretern der Friedensbewegten in der DDR. Er gründete das „Institut für Friedenspolitik“ in Starnberg.

1985 schrieb er das Vorwort zu einer Neuauflage der friedenspolitischen Denkschrift „Friedensvertrag, Deutsche Konföderation, Europäisches Sicherheitssystem“. Darin forderte er die „Selbstbefreiung der Deutschen von den Siegern des Zweiten Weltkriegs“.

Mechtersheimers Rolle als Friedens- und Verteidigungsexperte der Grünen endete mit einem Eklat, als im März 1989 die Gründungsvorbereitung einer mit libyschem Kapital zu finanzierenden Stiftung mit Sitz in der Schweiz bekannt wurde.

Nach dem Fall der Mauer gründete Mechtersheimer in Berlin mit Mitstreitern der Friedensbewegung aus Ost und West, darunter die Bürgerrechtler Edelbert Richter (später SPD-MdB) und Stephan Bickhardt, das „Friedenskomitee 2000“. Mit seinen national-pazifistischen Positionen fand er bei der etablierten Linken nur noch geringen Widerhall. Sein programmatisches Buch „Friedensmacht Deutschland“ (Ullstein, 1993) wurde in der Kritik von „taz“ bis „Frankfurter Rundschau“ ungnädig aufgenommen. Fortan suchte er Verbündete vor allem im rechten Lager. Im März 1997 hatte er auf Einladung der Fraktion der Republikaner (REP) einen Auftritt im baden-württembergischen Landtag, bei dem er seine national-pazifistischen Thesen propagierte.

Als Autor trat er in Publikationen der „Neuen Rechten“ (z. B. „wir selbst“) hervor. Als Gründer der „Deutschland-Bewegung“ sieht sich Mechtersheimer als Theoretiker und Praktiker der nationalen Erneuerung eines trotz Wiedervereinigung und 2+4-Vertrag fremdbestimmten Deutschlands. Als Sprecher des „Friedenskomitees 2000“ gibt er den „Pressespiegel“ heraus.

1996 wurde Mechtersheimer im Zwischenbericht der bayerischen Verfassungsschutzbehörde erwähnt. 1997 kam die Behörde zu dem Ergebnis, dass er sich im „Laufe des Jahres 1997 zu einem der wichtigsten Protagonisten rechtsextremistischer Bestrebungen“ entwickelt habe. Zeitweise wurden er und seine „Deutschland-Bewegung“ in den Verfassungsschutzberichten Bayerns erwähnt.[2] Im selben Jahr outete Mechtersheimer den Journalisten Anton Maegerle unter dessen Realnamen und Adresse.

Donnerstag, 22. April 2010

Friedensacker bei Bell

Text von Dieter Junker in "Evangelischer Kirchenkreis Simmern Trarbach"

Der Hunsrück in den 80er Jahren: Ende 1981 war bekannt geworden, dass in der Nähe der Dörfer Hasselbach, Bell und Wüschheim die 96 Cruise Missiles stationiert werden sollen, die im Nato-Doppelbeschluss für Deutschland vorgesehen waren. Dagegen protestierte die Friedensbewegung. Und das Kreuz wurde zu einem Sinnbild dieses Protestes. Vor 25 Jahren wurden 96 Kreuze auf einem Acker bei Bell aufgestellt.
„Diese Kreuze direkt am Stationierungsgelände wurden zu einem wichtigen Symbol der Hunsrücker Friedensbewegung“, meint rückblickend Heidrun Kisters (Kirchberg). Sie arbeitete damals im Friedensbüro, zunächst in Kirchberg, später in Kastellaun. Unübersehbar mahnten die 96 Kreuze direkt an der viel befahrenen


Hunsrückhöhenstraße für den Frieden und waren ein stummer Ausdruck des Protestes gegen die 96 Cruise Missiles, die zwischen Bell und Hasselbach stationiert werden sollten.
Die Idee zu diesem Friedensacker hatte der 1986 verstorbene Friedensaktivist Horst Braun aus Kirchberg. Die Eheleute Kneip aus Bell, denen der Acker gehörte, stimmten dem Vorhaben zu, und an Ostern 1984, unmittelbar vor dem Ostermarsch, wurden sie aufgestellt. „Am Anfang waren viele auch hier im Ort etwas skeptisch wegen dieser Kreuze. Doch später, vor allem, als sie immer wieder zerstört worden, solidarisierten sich viele mit den Kreuzen“, erinnert sich Lore Kneip.


Die Kreuze, sie sollten rasch zu einem Sinnbild der Hunsrücker Protestes gegen die Nachrüstung und die Stationierung von 96 Marschflugkörpern werden. Nicht nur die 96 Kreuze auf dem Friedensacker, auch das große Friedenskreuz am Haupttor des Stationierungsgelände, wo die evangelische Kirchengemeinde Bell seit 1983 jeden Sonntag zum Friedensgebet einlud. Oder die vielen Kreuze, die der Aktionskünstler Bernhard Eitelgörge überall im Hunsrück aufstellte. „Für mich waren diese Kreuze ein Zeichen des Lebens und der Hoffnung gegen den Tod“, betont August Dahl, der damals Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Bell war. Und Lore Kneip ergänzt: „Die Kreuze wurden für viele zu einem Wallfahrtsort.“



Die Beller Kirchengemeinde wurde damals zu einem Zentrum dieses Protestes gegen die Nachrüstung im Hunsrück. „Immer, wenn Gruppen unsere Kirchengemeinde oder den Hunsrück besuchten, besuchten sie auch den Friedensacker“, erzählt Jutta Dahl. Und sie betont: „Gerade im Angesicht des Hochsicherheitstraktes, wo die Raketen aufgestellt werden sollten, hatten die Kreuze eine ganz andere Bedeutung und Wirkung. Sie waren eine wichtige Mahnung.“

„Zum ersten Mal sah ich die Kreuze, als ich mit den Ordensleuten für den Frieden auf dem Beller Markt gezeltet habe und bevor ich nach Krastel gezogen bin“, erinnert sich Clemens Ronnefeldt (Freising). Er unterstützte von 1986 bis 2003 die Hunsrücker Friedensbewegung und ist heute Referent für Friedensfragen beim Internationalen Versöhnungsbund ist. „Als Theologe beeindruckte mich dabei die Symbolkraft dieses Ackers“, so Ronnefeldt.


Doch für viele wurden diese Kreuze auch ein Ärgernis. 18 Mal wurden sie herausgerissen, umgesägt oder zerstört. Immer wieder richteten Mitglieder der Friedensbewegung sie dann wieder auf. Jutta Dahl: „Das war manchmal schon frustrierend. Viele überlegten sich, ob wir den Friedensacker nicht mit einem Zaun schützen sollten.“ Doch dieser Gedanke wurde rasch verworfen. „Wir erkannten, dass wir uns dann genauso verhalten hätten wie das Militär, das seine Einrichtungen auch einzäunt. Wir entschieden uns für den geduldigen Weg“, so Jutta Dahl.


Viele Hunsrücker, aber auch Gruppen und Verbände aus ganz Deutschland übernahmen Patenschaften für ein Kreuz. Und vor der Großdemonstration am 11. Oktober 1986 im Hunsrück nahmen Friedensgruppen, Kirchengemeinde oder kirchliche Einrichtungen ein Kreuz mit in ihre Gemeinde, um sich so mit dem Protest im Hunsrück zu solidarisieren. „Eure Kreuze werden unser Kreuz“, so lautete das Motto dieser Initiative der „Sumpfdotterblume“, einer gewaltfreien Aktionsgruppe kirchlicher Mitarbeiter in der Evangelischen Kirche im Rheinland. „Es war schon beeindruckend, wie durch solche Patenschaften in viele Gemeinden in Deutschland die Botschaft von Hasselbach, von Raketen und Widerstand gebracht wurde“, so Clemens Ronnefeldt.



Als Anfang der 90er Jahre die Marschflugkörper vom Hunsrück abgezogen wurden, entstand die Frage, was mit den 96 Kreuzen geschehen soltel. Schließlich entschied sich die Hunsrücker Friedensbewegung im Sommer 1993 dafür, die Kreuze zu entfernen und drei als Mahnung und Erinnerung stehen zu lassen. Clemens Ronnefeldt: „Sie bleiben ein Symbol, nicht nachzulassen im Einsatz gegen den atomaren Wahnsinn. Für Frieden und Gerechtigkeit.“ Und Lore Kneip meint: „Wenn ich heute an den drei Kreuzen vorbeifahre, bin ich sicher, dass diese Kreuze für die damalige Zeit eine wichtige Aufgabe hatte. Und ich bin froh, dass wir diesen Acker dafür zur Verfügung gestellt haben.“



Weitere Bilder vom "Friedensacker" bei Bell in diesem Forum.




Ich habe über zehn Jahre in Bell gelebt und dieses verstaubte Dia aus den
80er Jahren auf meinem Speicher in Mainz gefunden.